Interview mit Alex (52) und Daniel (49)
Frage: Wie kam es dazu, dass ihr die Pflege für euren Freund Tom übernommen habt?
Alex: „Tom ist seit 25 Jahren Teil unserer Wahlfamilie. Wir haben zusammen durch die Clubs in Kreuzberg getanzt, unzählige Nachmittage im Café Kirsche bei Kaffee und Kuchen verbracht und gemeinsam Ades Zabel im BKA Theater gelacht. Er gehört einfach zu uns. Als er nach einer Operation pflegebedürftig wurde, war sofort klar: Wir lassen ihn nicht allein.“
Frage: Welche Rolle spielt die Wahlfamilie dabei?
Daniel: „Eine riesige! Wir organisieren uns wie eine kleine WG: Ich übernehme die Arzttermine, Alex die Einkäufe. Andere aus unserer Wahlfamilie springen ein, wenn wir Unterstützung brauchen. Und manchmal treffen wir uns nach einem langen Tag im Prinzknecht auf ein Bier, um kurz durchzuatmen. Für uns ist das selbstverständlich – aber im Pflegesystem müssen wir oft erklären, warum unsere Familie eben nicht die klassische ist.“
Frage: Gab es Hürden im Berliner Pflegesystem?
Alex: „Ja. Uns wurde mehrmals gesagt: ‚Sie sind ja gar keine Angehörigen.‘ Das hat wehgetan. Als ob unsere Bindung weniger wert wäre, nur weil wir keine Blutsverwandten sind. Erst über eine Pflegeberatung haben wir gelernt, dass wir trotzdem viele Ansprüche geltend machen können."
Frage: Was hilft euch, durchzuhalten?
Daniel: „Die Wahlfamilie und die Stadt. Wir gönnen uns Abende, an denen wir einfach mal nicht an Pflege denken. Ein Dragabend im SchwuZ oder ein Konzert im SO36 – solche Momente geben uns Kraft und erinnern uns daran, dass unser Leben bunt bleibt.“